Christenverfolgung im Irak

epd-Logo Theologe: El Kaida heizt Stimmung an

Der Ökumenische Theologe Martin Tamcke hat beklagt, dass sich die Lage der Christen im Irak seit dem Einmarsch der US-Truppen 2003 deutlich verschlechtert habe.

Viele Iraker sähen in den Christen eine "Fünfte Kolonne des Westens", sagte der Orientalische Kirchen- und Missionshistoriker an der Universität Göttingen am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Außerdem hätten sich seither die Islamisierungstendenzen im Land verstärkt. Unter dem Regime von Saddam Hussein seien die Christen im Irak sicherer gewesen. Die alltägliche Gewalt gehe von Teilen der Bevölkerung aus. Organisationen wie El Kaida heizten diese Stimmung deutlich an. Man könne inzwischen von einer Christenverfolgung im Irak sprechen.

"Jedenfalls haben wir so einen enormen Aderlass, das schon jetzt die Frage ist, was denn in der Zukunft die Christen im Irak sein können", sagte Tamcke. "Ich mag es nicht denken, dass es zum endgültigen Aderlass kommt, weil nur die Christen halten den Irak davon frei, ausschließlich in diese beiden großen islamischen Blöcke zu zerfallen, die auch miteinander nicht im Frieden stehen."

Die irakische Regierung müsse sich für die Christen stärker engagieren, so Tamcke weiter. Da jedermann wisse, dass die Christen derzeit als Sündenbock dienten, benötigten sie viel mehr Schutz und "vor allem einer viel größeren Vermittlung an die Bevölkerung, welche Funktion und welcher Reichtum diese Christen in ihrer Gesellschaft haben."

16. November 2010

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